45 Jahre war ich als Kunsthistoriker unterwegs, am liebsten in den Bergen, in alten Häusern und im Mittelalter. Schwerpunkt war Graubünden, bzw. seine Vorgänger, der Freistaat der Drei Bünde und das bischöfliche Churrätien. Nach dem Studium unterrichtete ich vier Jahre an der Kantonsschule. Danach war mir klar, dass ein Vollzeitjob als Lehrer nichts für mich war. Die kunstgeschichtlichen Recherchen waren viel spannender. Man bewegte sich auf Neuland. Ich unterrichtete über all die Jahre aber in Teilpensen, denn die Vermittlung der Ergebnisse meiner Auseinandersetzung mit Kunst bereitete mir ebenfalls unheimlichen Spass. In der Kunstgeschichte findet man eine Fülle von unheimlich starken Partnern. Man muss ihnen bloss seine Stimme leihen, dann hören die jungen Leute stundenlang aufmerksam zu. Was schon Generationen verzaubert hat, verzaubert auch die heutige Jugend.

Ich liebte meine Arbeit. Mein Wissen stieg mit jeder Lektion, mit jedem Referat, mit jedem Text, den ich zu Papier brachte. Als ich in den Ruhestand ging, war ich auf dem Höhepunkt. Aber eben: Danach kann es nur noch bergab gehen. Ich nahm die Abkürzung und wählte gleich den Neubeginn. Wobei, vier Jahre habe ich gebraucht, um vom Betrachten und Studieren zum Schöpferischen, zum Kunstschaffen zu wechseln und der Prozess dauert noch immer an, aber davon profitiert am Ende auch meine Kunst.

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In der Malerei sehe ich mich als Surrealist. Der Begriff wurde erstmals 1924 von André Breton, einem französischen Dichter und Schriftsteller geprägt. Er definierte in seinem Manifest des Surrealismus wie folgt: „Ein reiner psychischer Automatismus, mit dem man beabsichtigt, die tatsächliche Funktionsweise des Denkens entweder verbal oder auf andere Weise auszudrücken. Diktat des Denkens ohne Kontrolle durch die Vernunft, ausserhalb jeglicher ästhetischer oder moralischer Bedenken.“

Der psychische Automatismus, den Breton an den Anfang seiner Definition stellt, korreliert mit seiner Art, Kunst zu produzieren, dem „automatic writing“, bei dem man möglichst unentwegt und achtlos drauflos schreibt. Der psychische Automatismus ist beim Maler mit einem physischen Akt anderer Art verbunden: Die Hand fährt über den Malgrund. Ob ich damit „die tatsächliche Funktionsweise des Denkens“ darstellen kann, bin ich mir nicht sicher. Ich versuche das Denken abzuschalten, ganz bei mir zu sein. Das was in mir beim „automatic painting“ abläuft, würde ich eher als ein Spüren, ein Fühlen als ein Denken bezeichnen.

Meine früheren Bilder sind figürlich. Am Anfang des Entwurfs steht ein unbewusster Akt. Das Resultat desselben wandle ich dann zu einer Figur oder zu einem Objekt um.

Die neueren Werke sind fundamentaler. Auf den unbewussten Akt folgt keine weitere Überarbeitung. Die Arbeit wird zuvor geleistet. Bei der Produktion verinnerliche ich eine Begegnung mit einer Person oder einer Gruppe, ein Erlebnis, den Abschnitt einer Reise. Die daraus resultierende Empfindung soll jeweils die Hand führen.

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